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Bestandsaufnahme: digitalisierung in deutschland und brandenburg

Laut einer Bitkom-Erhebung sehen ganze 90 Prozent der deutschen Unternehmen den Prozess der Digitalisierung als Chance an. Drei Viertel der Unternehmen muss sich der Herausforderung stellen, höhere Automatisierung in ihrem Betrieb zu ermöglichen. Bereits über 38 Prozent der größeren Unternehmen nutzen Cloud-Dienste oder big data analytics. Insgesamt bleibt für Deutschland viel an digitaler Entwicklung zu bewältigen, da etwa der Breitbandausbau oder die Abdeckung mit fortgeschrittenen VHCNs (very high capacity networks) noch lange nicht abgeschlossen sind. Bei der VHCN-Abdeckung, genau wie der Digitalisierung von öffentlichen Diensten, bekleidet Deutschland derzeit Rang 21. Bei Funklöchern und dem Breitbandausbau allgemein liegt Deutschland auf Rang 8 und bei der Digitalisierung als Ganzes gar auf Rang 12 in der EU. Laut Digital Index 2019/2020 sind zwar über 85% der Deutschen inzwischen vernetzt, aber in der Arbeitswelt verfolgen nur etwa ein Viertel aller mittelständischen Unternehmen überhaupt eine Digitalisierungsstrategie. Auch fällt es Unternehmen sehr schwer, IKT-Stellen (Informations- und Kommunikationstechnik) nach Bedarf zu besetzen.

Im Dezember 2018 wurde Brandenburgs Digitalisierungsstrategie verabschiedet. Eine Studie mit dem Titel “Arbeit 4.0 in Brandenburg” fand bei einer Befragung von 1050 Betrieben im Land heraus, dass über 87 Prozent von ihnen digitale Lösungen in ihrem täglichen Geschäft einsetzten. Ein Fünftel von ihnen ist bereits vollständig vernetzt und digitalisiert. Unter der Kampagne “Digitalisierung in Brandenburg” wurden sieben Handlungsfelder für aktive Gestaltungsmöglichkeiten mit Innovations- und Wachstumspotenzial erarbeitet. Diese Handlungsfelder umfassen die hochleistungsfähige IT-Infrastruktur, digitale Anwendungen in der Bildung und Wissenschaft, die Digitalisierung in Wirtschaft und Arbeit, die Vernetzung im ländlichen Raum, den digitalen Wandel in der öffentlichen Verwaltung, den Bereich des Verbraucherschutzes und digitaler Sicherheit und schließlich das Potenzial zur Stärkung der Demokratie durch gesteigerte Partizipation und gesellschaftliches Engagement der Bürgerinnen und Bürger.

Digitaler Aufholbedarf besteht im Land Brandenburg vor allem in der Dienstleistung und im Handel. Die digitale Transformation ist Voraussetzung für die eigene Wettbewerbsfähigkeit: Dieses Bewusstsein haben 41 Prozent der Mittelständler in Brandenburg verinnerlicht und die Digitalisierung in ihrer Geschäftsstrategie verankert. 35 Prozent setzen einzelne digitale Projekte um. Im bundesdeutschen Durchschnitt nennen allerdings schon 45 Prozent der Befragten die Digitalisierung als Teil der Geschäftsstrategie. In Brandenburg ist zudem der Anteil der Unternehmen, die dem digitalen Wandel bislang nur wenig oder keine Beachtung schenken, überdurchschnittlich groß. 17 Prozent befinden sich in der Planungsphase, acht Prozent haben sich noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Mit 53 von 100 möglichen Punkten liegt Brandenburg zwei Indexpunkte unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt aller Bundesländer. Zu diesen Ergebnissen kommt der „Digitalisierungsindex Mittelstand 2018“.

Der Index spiegelt die von den Unternehmen erkannte Relevanz der Digitalisierung und deren Umsetzungsgrad wider: Den Spitzenwert von 100 Punkten könnten die befragten Unternehmen erreichen, wenn sie sämtlichen digitalen Handlungsfeldern die höchste Relevanz zuordnen würden und dabei maximal zufrieden mit der Umsetzung wären. Mit 59 Punkten gehört in Brandenburg das Branchencluster Industrie/Bau zu den Vorreitern, es schneidet hier sogar drei Punkte besser ab als im Bundesdurchschnitt. Schrittmacher des Wandels sind dabei vor allem jene Betriebe, die sich im Industriegürtel rund um Berlin angesiedelt haben. Smarte Produktionshallen und über die gesamte Lieferkette vernetzte Maschinen, Prozesse und Produkte gehören für die digitalen Vorzeigeunternehmen der Industrie zum Alltag. Selbst die für Brandenburg so wichtige Forstwirtschaft ist in der 4.0-Welt angekommen und ermöglicht mit digitalen Technologien eine effizientere und ökologischere Waldbewirtschaftung.

Mit 55 Indexpunkten liegt das Cluster Dienstleistungen/Gesundheitswesen einen Punkt unter dem Bundesdurchschnitt. Mit Mobile.de, Paypal oder Ebay haben sich in Brandenburg aber auch digitale Vorzeigeunternehmen angesiedelt. Digitales Schlusslicht ist in Brandenburg das Cluster Handel/Gastgewerbe. Es erzielt nur 45 Punkte und liegt damit sechs Indexpunkte unter dem Bundesschnitt.

Die Studie zeigt auch: Für eine erfolgreiche digitale Transformation brauchen die Unternehmen nicht nur eine technologische Basis. Sie sind genauso auf Mitarbeiter angewiesen, die mit digitalen Technologien umgehen können und dem Wandel positiv gegenüberstehen. 57 Prozent der Befragten in Brandenburg halten diese digitale Kompetenz ihrer Mitarbeiter künftig für ebenso entscheidend wie die fachlichen oder sozialen Fähigkeiten ihrer Beschäftigten (Bundesdurchschnitt: 52 Prozent). 46 Prozent glauben, dass sie ein wichtiger Erfolgsfaktor fürs eigene Unternehmen sei. Aber nur 34 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass ihre Belegschaft optimal qualifiziert sei (Bundesdurchschnitt 35 Prozent). Ihren Expertenbedarf können die Firmen auch auf dem externen Arbeitsmarkt nicht decken: Nur 22 Prozent sind mit der Verfügbarkeit digitaler Fachkräfte zufrieden. Gleichwohl ergreifen erst 36 Prozent der Unternehmen die Initiative und fördern gezielt die digitale Kompetenz ihrer Beschäftigten. Im Bundesdurchschnitt bieten dagegen 43 Prozent der Befragten Weiterbildungsmöglichkeiten an.
Doch wie für viele anderen Regionen Deutschlands gilt auch in Brandenburg: Viele Unterstützungsprogramme gehen an den Mittelständlern vorbei. 25 Prozent der Betriebe aus Brandenburg kennen die regionalen Förderprogramme nicht; 46 Prozent sind nicht zufrieden damit. 17 Prozent der Befragten wissen nicht, dass die Industrie- und Handelskammern sich für den Technologietransfer engagieren. 33 Prozent sind mit deren Aktivitäten zufrieden (Bundesdurchschnitt: 31 Prozent). Nur 75 Prozent der Befragten sind über die Info-Veranstaltungen von Telekommunikations- und IT-Anbietern im Bild.