Mit hochrangiger Beteiligung und spannenden Impulsen ging heute im Rahmen der nationalen Auftaktveranstaltung, live gestreamt aus den Eurogress in Aachen, das neue EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont Europa“ an den Start.

Ausgestattet mit 95,5 Mrd. Euro ist es nicht nur das größte und modernste Forschungsprogramm der Welt, sondern auch das größte Klimaschutzprogramm der Welt“, freute sich der Koordinator im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des EU-Parlaments, Dr. Christian Ehler, der Horizont Europa als EVP-Berichterstatter in der Rekordzeit von neun Monaten verhandelt hatte, in seiner Eröffnungsrede. „Das Programm wurde ausgerichtet auf das Ziel, die größten Herausforderungen unserer Zeit anzugehen, unsere besten Wissenschaftler zu finanzieren und die Innovationskraft auf unserem Kontinent zu fördern“, führte Ehler aus. Mit einem Budget von 95,5 Mrd. € habe es eine Dimension, wie man es in der Vergangenheit bei keinem anderen Forschungsprogramm jemals zuvor erlebt habe. Größenordnung und Ambition seien jedoch angesichts der aktuellen und künftigen Herausforderungen, mehr als angemessen: „Covid, der grüne Wandel und die digitale Revolution werden uns dazu zwingen, unser Wissen weit über die Grenzen hinaus zu erweitern, die wir heute sehen“, ist Ehler überzeugt.

Doch selbst bei dieser beispiellosen Größenordnung, stellt sich nach Ansicht des brandenburgischen Europa-Abgeordneten die berechtigte Frage: Ist die Mittelausstattung von Horizont Europa ausreichend? Experten hatten der Europäischen Union geraten, ein Budget von mindestens 120 Mrd. € bereitzustellen. „Leider wird Wissenschaft und Innovation mit zunehmender Skepsis begegnet, und die öffentlichen Investitionen in die wissenschaftliche Forschung sind in den letzten Jahrzehnten unter Druck geraten. Jetzt, wo wir Wissenschaft und Innovation am dringendsten brauchen, entscheiden wir uns, sie nicht ausreichend zu finanzieren. Dies wird durch unsere Klimaziele noch verschärft“, bedauert Ehler und warnt: „Egal wie lobenswert, wenn wir jetzt nicht in Forschung und Innovation investieren, werden wir nicht nur das Pariser Abkommen nicht erfüllen, sondern auch unsere Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt verlieren.“

Europa sei immer noch ein „Powerhouse der Forschung“ in der Welt. Mit einem Anteil von nur 7 % an der Weltbevölkerung produziere man eine enorme Zahl wissenschaftlicher Spitzenpublikationen und zeichne sich für einen bedeutenden Teil der weltweiten Forschungsinvestitionen verantwortlich. „Aber“, warnt Ehler: „Wir sind im Sinkflug und jetzt ist es an der Zeit zu handeln. Mit Horizont Europa hat die Europäische Union gezeigt, dass sie in der Lage und willens ist, ernsthaft in ihre wissensbasierte Wirtschaft zu investieren. Aber wir brauchen mehr, viel mehr. Denn wenn wir in dieser Dekade unsere Klimaschutz- und Digitalisierungsziele erreichen wollen, dann müssen wir unsere Anstrengungen noch wesentlich erhöhen.“

Hintergrund

Horizont Europa basiert auf drei Säulen, die jeweils einen eigenen Teil des europäischen Forschungspuzzles finanzieren.  Der Bereich „Exzellente Wissenschaft“ stellt dabei Mittel für die besten europäischen Wissenschaftler bereit, unabhängig von ihrem Forschungsgebiet. Die zweite Säule fördert die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Universitäten und innovativen Impulsgebern, um Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit zu finden, wie beispielsweise den Klimawandel und die Digitalisierung. Erstmals fördert dieser Bereich explizit auch die Forschungszusammenarbeit im Kultur- und Kreativsektor und hilft dabei, Design in Innovation und Innovation in neue kreative Schaffensprozesse münden zu lassen. Der dritte Teil „Innovatives Europa“ wird KMUs und Startups dabei helfen, neue mutige Ideen in Unternehmen zu verwandeln.

Jede Menge Chancen für Brandenburg

Als Region mit über 50 Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind alle Teile des Programms für brandenburgische Forscher attraktiv. Im Rahmen von Horizont 2020, dem Vorgängerprogramm von Horizont Europa, hat Brandenburg über 160 Mio. € Forschungsgelder erhalten. Würde sich die brandenburgische Forschungslandschaft in gleichem Maße auch an Horizont Europe beteiligen, kämen über 250 Mio. Euro an Forschungsgeldern in unsere Region. Da Brandenburg zudem stark bei grünen und digitalen Themen ist, könnte Horizont Europa durch seinen verstärkten Fokus auf eben diese Themen noch mehr bieten. Zudem wurde der für die Forschung im ländlichen Raum attraktivste Teil des Programms – der Bereich  Landwirtschaft und natürliche Ressourcen – im Vergleich zu Horizont 2020 noch einmal deutlich aufgestockt.