Die COVID-19-Pandemie hat deutlich gezeigt, dass die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten mehr in Forschung und Entwicklung investieren müssen. Als Berichterstatter für Horizont Europa- das weltweit grösste Forschungsrahmenprogramm – fordern wir den Rat und seine Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, dafür Sorge zu tragen, dass das neue Forschungsprogramm – wie vom Europäischen Parlament gefordert – mit 120 Milliarden Euro angemessen finanziert wird. Der Schwerpunkt von Horizont Europa auf Forschung und Innovation, der sich in einer Vielzahl von Sektoren auch an KMUs richtet, macht es zu einem Schlüsselinstrument für die Eindämmung der Pandemie und für die Förderung der wirtschaftlichen Wiederbelebung Europas.

“Ein unzureichendes Budget für Horizon Europe wird unweigerlich zur Kannibalisierung einer der Prioritäten Europas führen. Wir werden uns dann entscheiden müssen zwischen der Bekämpfung des Corona-Virus, der Sicherung des Wirtschaftswachstums, der Förderung der Digitalisierung oder der Reduzierung der CO2-Emissionen“, ist der Europaabgeordnete Dr. Christian Ehler, Berichterstatter für das spezifische Programm von Horizont Europa und EVP-Koordinator im ITRE-Ausschuss überzeugt. „Lassen Sie uns aus dieser Tragödie lernen, dass Investitionen in F&I nicht nur ein Instrument zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sind, sondern – insbesondere im Gesundheitswesen und im Bereich des Klimaschutzes – in erster Linie auch eine Frage der Rettung von Leben und der Sicherung zukünftiger Generationen sind. Wenn wir ernsthaft in zehn Jahren 50% der Co2-Emissionen reduzieren wollen, dann brauchen wir einen heute kaum vorstellbaren Innovationssprung in Forschung und Entwicklung. Für dieses Ziel alleine reichen die knapp 2% des Bruttosozialprodukts, die wir in Europa für Forschung ausgeben, nicht annähernd aus.“

„Europa wird nie wieder sicher sein ohne eine substanzielle Finanzierung seiner angewandten Forschung und ohne eine angemessene Finanzierung und Koordinierung im Gesundheitsbereich. Die Antwort im Kampf gegen COVID-19 lautet „Forschung und Innovation“. Die Antwort auf eine mögliche künftige Pandemie sind „Forschung, Innovation und neue Technologien“. Denken wir daran, dass selbst 10 Milliarden Euro weniger für Horizont Europa den Verlust von 900 Industrie-Patenten bedeuten würden, die für 250 Erfindungen stehen. Die den Verlust von 7.000 Prototypen, 12.000 Testläufen und 500 klinischen Versuchen bedeuten würden“, warnt der Europaabgeordnete Dan Nica – Berichterstatter für die Regulierung von Horizont Europa und S&D-Koordinator im ITRE-Ausschuss.

Kampf gegen COVID-19
Nicht wenige Experten sind der Auffassung, dass das COVID-19-Virus auch künftig Teil unseres Lebens bleiben wird. Das bedeutet, dass Europa seine Forschungs- und Innovationsbemühungen in den nächsten Jahren verstärken und aufrechterhalten muss, um sicherzustellen, dass die Pandemie wirksam eingedämmt wird. Europa ist nun auf Forschung und Entwicklung angewiesen, um die besten Behandlungsmöglichkeiten zu finden für die Menschen, die vom Coronavirus betroffen sind und einen Impfstoff zu entwickeln, der die Verbreitung des Virus verhindert. Dies ist der sicherste Weg, um weitere Pandemien zu verhindern

Aber dies wird nicht in einigen Wochen erreicht werden. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass es Jahre einer breit angelegten Impfkampagne erfordern kann, um eine Krankheit auszurotten. Dennoch haben wir gesehen, dass Horizont 2020 die Instrumente bietet, um dies zu erreichen. Das Nachfolgerprogramm Horizont Europa wird diese Bemühungen weiter verstärken.

Anpassung an die Realität nach der Pandemie
Nachdem die gegenwärtige Pandemie abgeklungen ist, brauchen wir Forschung und Entwicklung, um künftige Pandemien zu verhindern und zu bekämpfen. Wir müssen Instrumente entwickeln, die an unsere globalisierte Welt angepasst sind – zum Beispiel schnellere Tests auf Symptome an Flughäfen oder an unseren Grenzen. Das bedeutet, dass wir in eine bessere Überwachung, – insbesondere an Verkehrsknotenpunkten – investieren, effizientere Frühwarnsysteme entwickeln und schnellere und effektivere Wege finden müssen, um künftige Ausbrüche einzudämmen. Um all dies zu erreichen, müssen wir massiv in eine bessere Sammlung, Verarbeitung und gemeinsame Nutzung von Daten investieren. Es wird erwartet, dass Horizont Europa etwa 15 Milliarden Euro für seinen digitalen Cluster aufwenden wird, der für die Verwirklichung dieses Ziels von entscheidender Bedeutung sein wird.

F&I zur Unterstützung der wirtschaftlichen und sozialen Genesung
Dank unserer Forscher, des medizinischen Personals und all der mutigen Menschen, die für diese Sache arbeiten, wird Europa diese Pandemie überwinden. Unsere Wirtschaft wird jedoch nach so vielen Wochen der Restriktionen, der Lähmung der Wirtschaft und der sozialen Distanzierung immer schlechter werden. Innovation wird unerlässlich sein, um unsere Unternehmen anzukurbeln und unsere Arbeitsplätze zu retten. Unterstützung wird auch erforderlich sein, um die EU-Produktion von Schlüsselprodukten wie Arzneimitteln, pharmazeutischen Bestandteilen, medizinischen Geräten, Ausrüstungen und Materialien zu erhöhen.